Langsam, aber sicher

Ich bemühe mich nun, jeden Tag das Stundengebet in meinen Alltag zu integrieren. Klappt nicht immer und schon gar nicht zu den eigentlich vorgesehenen Zeiten, aber mein Leben ist eben noch kein ausschließlich geistliches. Und Gott sieht ins Herz, er sieht mein Bemühen denke ich und wird mir wohl keinen Strick drehen, nur weil ich die Laudes nicht um 7 Uhr beten kann, wenn ich um diese Zeit auf der Arbeit stehe.

Nächste Woche habe ich einen Termin in einem Kloster, in dem ich gern das “Kloster auf Zeit” erleben möchte. Die Schwester hat mich sogar eingeladen, nach dem Gespräch mit allen zusammen die Vesper zu beten. Ich freu mich richtig darauf. 😀 Ich bin mal gespannt, wie das Gespräch so wird und auch vor allem, wann ich die Tage im Kloster verbringen kann und wie das so wird. Ich hoffe, ich kann da dann sehen, ob Gott mich wirklich in einem Kloster haben will.

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Geistlichere Struktur

Heute konnte ich mir das kleine Stundenbuch abholen, das ich mir bestellt hatte. Ich will das Stundengebet in meinen Alltag integrieren, oder es zumindest versuchen. Ich bin gespannt, ob ich das wirklich hinkriege und das auch konsequent jeden Tag. Ich habe noch absolut keine Ahnung, wie man das macht… Aber ich bin gerade dabei, mich zu belesen. Manchmal komme ich mir schon zu übereifrig vor… Nichtsdestotrotz bekomme ich so vielleicht etwas mehr Struktur, geistliche Struktur, in meinen Tagesablauf.

Als ich heute in einer eigentlich sehr ruhigen Kirche, die so gut wie nie von Touristen überfallen wird, meinen Rosenkranz betete (ganz allein in der riesigen, barocken Basilika, wuha!), gab es wohl Orgelunterricht oder so. Mitten im Gebet erklang die Orgel. Erst einzelne Töne, dann irgendwann die Melodie von einem Kinderlied und dann einfach Tonleitern. Es klang eigentlich sogar sehr schön und ließ alles irgendwie sehr unwirklich erscheinen, als ich dann fertig war mit dem Rosenkranz und einfach den Blick über die über-üppigen barocken Figuren und Verzierungen gleiten ließ. Zwar störten die Erklärungen zwischendrin ein wenig, aber insgesamt fand ichs sogar entspannend.

Absolute Unwissenheit

…ist wohl der passendste Begriff. Die Liturgie der Kirche ist mir so wahnsinnig fremd und neu, ich kann kaum glauben, dass ich diesem Glauben angehöre. Welch Wortwitz, btw.

Ich wurschtele mich nun schon seit Tagen da hindurch und sehe noch immer nicht ganz klar. Und es tun sich immer neue Fragen auf.

Heute war ich beichten. Nach über einem Jahr das zweite Mal in meinem Leben. Natürlich hab ich mich nicht wohl gefühlt. Und auch nicht sonderlich befreit danach. Für das, was ich gebeichtet hatte, fand ich die Buße, die mir auferlegt wurde, sogar viel zu wenig. Nunja, aber was solls. Nach dem Verrichten der Buße wollte ich, wie fast jeden Tag, den Rosenkranz beten. Ich war aber nicht in der Kirche, in der ich sonst meist dazu bin. In der Kirche heute gab es im Seitenschiff eine Art kleine Kapelle, die als “Eucharistische Anbetung” ausgeschildert war. Ich stand vor diesem Schild und der Kapelle und fragte mich erstmal, was das überhaupt auf Deutsch heißt… Nicht einmal das weiß ich! Ich hätte mich am liebsten in eine der Bänke gekniet und dort meinen Rosenkranz gebetet, habe mich aber nicht getraut, weil ich nicht wusste, ob das überhaupt richtig wäre. Also hab ich mich doch lieber ins Hauptschiff gesetzt dazu. Ich hätte mich auch gekniet, aber eine halbe Stunde knien macht mein Knie nicht mit auf nicht-gepolsterten Bänken. >_>

Entdeckungsreise

Der Herr hat mich auf eine Entdeckungsreise geschickt. Der Weg zu ihm ist wirklich eine Entdeckungsreise. Ich entdecke ihn und den Glauben neu. Da gibt es so viele Dinge, über die ich bisher rein gar nichts gewusst habe, nicht einmal, dass sie existieren. Allein die ganzen Riten und die Liturgie der Kirche! Man lernt es auch einfach nicht. Niemand erzählt einem etwas darüber. Nicht im Religionsunterricht, nicht im Kommunionsunterricht und auch nicht im Firmunterricht. Meine Familie auch nicht, da sie nicht religiös geprägt ist. Ich bin leider nicht religiös erzogen worden.

Ich würde am liebsten den ganzen Tag ununterbrochen beten. Aber ich weiß nicht genau, wie. Außerdem würde ich meine weltlichen Pflichten vernachlässigen. Dennoch beschäftige ich mich mit der Kirche. Ich möchte tiefer eintauchen in diese Riten und Gebetsformen, möchte tiefer in das Geheimnis des Glaubens eintauchen und es verstehen. Mit dem Herzen verstehen. Ebenso die Bibel. Ich lese sie zum ersten Mal und sehe sie mit ganz anderen Augen als früher noch.

Es ist, als hätte sich ein schwerer Schleier von meiner Wahrnehmung hinweggehoben. Oder sagen wir lieber: Gott hat diesen Schleier gelüftet, ihn entfernt und gesagt: “Sieh! Sieh hin, ich bin da. Ich will dir nur Gutes, du musst mir nur folgen, wenn du willst. Aber sieh hin, sieh richtig hin und verstehe.”

Wohin mit mir?

Was schreib ich denn nun in diesem ersten Eintrag…? Irgendwie ist der erste Post in einem neuen Blog immer der schwerste.

Gut, fang ich einfach an, über mich zu schreiben und was dieser Blog hier eigentlich soll.

Ich bin noch relativ jung, gerade einmal 27 Jahre alt. Ich studiere derzeit, habe zwei Nebenjobs und seit 2 Jahren führe ich eine Fernbeziehung mit einem Menschen, der mein Seelenverwandter ist. Ich habe einige Tiefen hinter mir. Ich litt an Depressionen, teils schwerer Ausprägung und war auch schon Patientin einer Psychiatrie. Allerdings bin ich nun seit knap einem Jahr fast vollständig symptomfrei. Aber darum soll es in diesem Blog ja nicht gehen.

Ich bin katholisch getauft, aber nicht religiös erzogen worden. Zur Kommunion kam ich, gefirmt bin ich auch, aber eben nur, weil man das auf dem Dorf eben so macht, damit die anderen nicht reden. Tiefe Überzeugung oder gar wirklicher Glaube steckte nicht dahinter. Regelmäßig in die Kirche ging ich bisher auch nicht, die Bibel gelesen habe ich nie. Nur ein paar Auszüge in der Schule, bevor ich in der Oberstufe in den Ethikkurs wechselte.

Dennoch war da immer irgendwo die Sehnsucht nach Gott. Ich habe mich immer zu Engeln hingezogen gefühlt, habe immer irgendwie mein Zimmer mit ihnen geschmückt und versucht, an sie und Gott zu glauben. Gut, ehrlich gesagt mehr an Engel als an Gott, insbesondere als ich mein Heil in der Esoterik zu suchen begann. Dies war aber immer nur so eine Phase, die auch wieder vorbeiging. Allerdings hat die letzte Phase mich wohl geöffnet für den “wahren” Glauben und für Gottes Stimme. Ich weiß es nicht.

Ich hatte irgendwann aus heiterem Himmel das Bedürfnis, meinen Glauben zu vertiefen und den Rosenkranz zu beten. Ich hatte mir vorher irgendwann einmal einen gekauft, aber bis dahin hing er nur ungenutzt an meiner Schreibtischlampe. Also fing ich an damit. Ich suchte im Internet, wie man das überhaupt macht und probierte es einfach mal. Es fiel mir erstaunlicherweise leicht, ihn zu beten und auch mit der Zeit automatisch auswendig zu lernen. Jedesmal, wenn ich den Rosenkranz bete, vergeht die Zeit wie im Flug. Und eigentlich braucht es eine halbe Stunde. Mittlerweile bete ich ihn fast jeden Tag. Entweder zu Hause oder aber wenn ich unterwegs bin, in einer Kirche. Es tut irgendwie gut und gibt Kraft. Und ich habe recht bald gemerkt, dass es mich näher zu Gott bringt, mich für ihn öffnet. Allein das Beten des Rosenkranzes hat meinen Glauben so vertieft und mich wie gesagt so geöffnet, dass ich ziemlich plötzlich Gottes Nähe und seinen Ruf spüren konnte.

Dieser Ruf war und ist gewaltig. Natürlich höre ich keine Stimme oder dergleichen. “Ruf” ist im übertragenden Sinne gemeint. Da ist ein Ziehen in mir, eine schmerzhafte Sehnsucht. Ich spüre, manchmal fast schon körperlich, wie Gott mich zu sich ruft. Er will, dass ich umkehre und ihm diene. Und mir geht seither der Gedanke, einem Orden beizutreten, nicht mehr aus dem Kopf. Ich bin zur Ordensfrau berufen, wie es scheint. So ist Gottes Wille und er ruft unablässig, Tag für Tag.

Ich würde seinem Ruf am liebsten sofort folgen, aber da ist noch mein Verstand, der zur Vorsicht und Bedachtheit mahnt. Man tritt nicht so einfach einem Orden bei. Dieser Schritt bedarf einiger Vorbereitung. Außerdem bin ich in dieser Welt noch gebunden. Ich habe meinen Partner, den ich über alles liebe, ich kann ihn nicht einfach verlassen. Nicht einmal für Gott. Und ich habe noch Schulden bei einer Bank…

Nein, so einfach ist das nicht. Ich muss zuerst auch an meiner Beziehung zu Gott arbeiten, sie vertiefen und festigen. Ich schwanke noch zu leicht und bin noch all zu unwissend. Mittlerweile bete ich jeden Tag um Gottes Führung auf diesem Weg, den er wohl für mich vorgesehen hat. Ich habe nich auch um geistliche Begleitung bemüht und werde im Sommer einmal das “Kloster auf Zeit” versuchen. Ich bin gespannt, was der Herr alles vorgesehen hat und auf welchen Wegen er mich führen wird. Ich habe nun sogar angefangen, in der Bibel zu lesen, da ich sie verstehen will.

Ich habe die Bibel immer verurteilt und verachtet, weil ich nicht verstanden habe, dass man sie keinesfalls wörtlich nehmen darf. Man muss zwischen den Zeilen lesen und sich von Gott leiten lassen dabei, sonst versteht man alles völlig falsch, wie es auch schon so vielen Menschen in der Vergangenheit passiert ist, selbst Menschen der Kirche.

 

Herr, wo willst du mit mir hin? Welchen Weg soll ich gehen? Nimm mich an der Hand und führe mich den Weg entlang, den du für mich ausgesucht hast. Schicke deine Engel, mir zu helfen, stelle mir Menschen an die Seite, die mich in deinem Namen begleiten, damit ich dir folgen kann. Amen.